Brustvergrösserung mit Eigenfett – eine natürliche Alternative zu Silikon – Dr. med. Gmür im Gespräch

ACREDIS im Gespräch mit Dr. Roger Gmür (Spezialarzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie)

Eine schön geformte, straffe Brust ganz ohne Narben und Implantate ist für viele Frauen die Idealvorstellung. Was lange Zeit ein Traum blieb, kann heute mit der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie verwirklicht werden. Je nach Wunsch und Voraussetzungen von Seiten der Patientin kommen bei der Brustvergrösserung verschiedene Verfahren zur Anwendung. Gemeinsames Prinzip ist dabei, dass die Brust durch eine Unterspritzung auf die gewünschte Form und Grösse modelliert wird, ohne dass dabei störende Narben entstehen.

Bisher standen lediglich chirurgische Methoden zur Optimierung der Brustform zur Verfügung, entweder die Brustvergrösserung mit Implantaten oder die Straffung der Brust, z.B. nach einer Schwangerschaft. Aus Angst vor einer Operation oder Respekt vor den dabei entstehenden Narben schrecken viele Frauen vor einer Behandlung zurück. Heute steht mit der Unterspritzung der Brust mit Eigenfett eine sehr interessante Alternative zur Operation zur Verfügung.

Im Interview mit Dr. Roger Gmür beleuchten wir die neuen Möglichkeiten genauer.


Was ist neu an der Unterspritzung der Brust mit Eigenfett?

Dr. med. Gmür: Das Prinzip an sich ist nicht neu. Es wurde schon früher versucht, die Brust mit Injektionen zu formen, leider wurden dabei aber meistens körperunverträgliche Substanzen wie z.B. Paraffin- oder Silikonöl verwendet. Auch die neuen Hyaluronsäure-Gels haben sich leider im Bereich der Brust nicht bewährt, obwohl ihre Anwendung im Gesicht absolut unproblematisch ist. Mit der Eigenfettbehandlung existiert heute eine Methode zur Brustformung, bei welcher auch langfristig nicht mit Unverträglichkeitsreaktionen gerechnet werden muss. Der bestechende Vorteil dabei ist, dass die Brust ohne sichtbare Narben oder Silikonimplantate geformt werden kann. Bei der Unterspritzung wird der Hautmantel der Brust aufgefüllt, bis das gewünschte Volumen erreicht ist oder die Brust nicht mehr hängt. Beim Lipofilling, also der Eigenfettbehandlung, profitieren die Patientinnen zusätzlich vom Effekt der Fettabsaugung.

Es handelt sich also um eine natürliche Alternative zu Silikonimplantaten?

Dr. med. Gmür: In den Fällen, wo eine leichte Brustvergrösserung von etwa einer Körbchengrösse oder vor allem eine Straffung gewünscht wird, trifft dies sicher zu. Wie der Name schon sagt, verwenden wir bei der Eigenfett-Transplantation körpereigenes Gewebe, welches sich total natürlich verhält und keinerlei Fremdkörperreaktionen erwarten lässt.

Ist eine Brustvergrösserung mit Eigenfett bei jeder Frau machbar?

Dr. med. Gmür: Nicht jede Patientin ist eine gleich gute Kandidatin für eine Unterspritzung der Brust. Die Brustformung durch Zusatz von Volumen ist in all den Fällen eine gute Lösung, wo die Patientin nur eine leichte Vergrösserung wünscht und auf keinen Fall ein Implantat haben möchte. Dazu kommen Frauen, deren Brust im Laufe der Jahre oder nach einer Schwangerschaft etwas erschlafft ist und ihre Fülle verloren hat.

Etwas limitierend ist bei dieser Methode, dass aus technischen Gründen nicht unbegrenzt Fett in die Brust eingespritzt werden kann. Wenn eine substantielle Vergrösserung gewünscht wird oder die Brust deutlich hängt, erreichen wir mit einer einzelnen Unterspritzung die Grenzen des Machbaren. In diesen Fällen wird deutlich mehr Volumen gebraucht, was ein Vorgehen in mehreren Schritten oder eine Vorbehandlung der Brust bedingt, um ein problemloses Einheilen des transplantierten Fettes zu ermöglichen.

Wie muss man sich so eine Behandlung vorstellen?

Dr. med. Gmür: Eine Unterspritzung der Brust erfolgt durch kleine Stichinzisionen im Bereich der Unterbrustfalte, von wo aus das Volumen mit stumpfen Kanülen in die Brust injiziert werden kann, ohne das Drüsengewebe zu verletzen. Dies hinterlässt keine sichtbaren Narben. Der Eingriff kann in Lokalanästhesie oder im Dämmerschlaf erfolgen, so dass die Patientinnen die Klinik nach einer kurzen Erholungsphase am gleichen Tag wieder verlassen können. Als Vorbereitung muss beim Lipofilling des Fett zuerst an anderer Stelle in Lokalanästhesie abgesaugt und gereinigt werden, bevor es zurück in die Brust injiziert wird.

Halten die so geformten Brüste ein Leben lang?

Dr. med. Gmür: Das kann man so nicht behaupten. Bei der Eigenfett-Transplantation verbleibt das injizierte Fettgewebe, sobald es eingeheilt ist, in der Brust und verhält sich dort absolut natürlich, macht also auch Veränderungen bei Gewichtsschwankungen mit und unterliegt den Gesetzen der Schwerkraft. Das heisst, es wird im Laufe der Jahre nach einer Behandlung in der Regel zu Formveränderungen an der Brust kommen.

Was sind die Risiken einer Brustvergrösserung mit Eigenfett?

Dr. med. Gmür: Grundsätzlich ist die Methode sehr gut verträglich und hat kaum Risiken. Bei der Eigenfett-Behandlung ist die Erfahrung des Operateurs aber ein wesentlicher Faktor des Behandlungserfolges. Je sorgfältiger das Fett eingespritzt wird, desto besser ist die Überlebensrate des transplantierten Gewebes. Bei unsachgemässer Technik kann es durchaus zur Bildung von verkalkten Knötchen oder Öl-Zysten kommen.